Alte handgewebte Leinenhandtücher

Was macht man damit? Jahrzehntelang lag die mit Monogramm bestickte Aussteuerwäsche bei Mutter oder Großmutter ungenutzt in Schrank oder Truhe herum. Gestärkt, sauber gefaltet, im Sechserpack, fein säuberlich mit Schleifenband zusammenbunden, bekam ich sie vor Jahren weitergereicht. Meine Mutter hatte keine Verwendung mehr dafür und verteilte die inzwischen leicht vergilbten, teilweise handgewebten Stücke damals an ihre Töchter. Zum Hände abtrocknen waren sie mir zu schade. Um sie zur Tischdecke umzuarbeiten, mit Spitze dazwischen, hatten sie das falsche Format. Zuerst mussten sie mit viel Waschpulver und Wäscheweiss bei einer 90°-Wäsche zum Strahlen gebracht werden. Frisch gestärkt und gemangelt verwende ich die schmalen Exemplare als Läufer für Tisch und Schränkchen. Andere hatten das passende Maß für die Umarbeitung zur Kissenhülle. Falten, bügeln, kurz zur Nähmaschine, umdrehen, zurechtzupfen und über die Sitzkissen ziehen, fertig (das ging ohne Zerschneiden). Die Hüllen für die kleineren Kissen bekamen außen herum noch eine kleine Steppkante. Nun sind die guten Stücke immer in Benutzung. Wenn ich die hübschen Webmuster und handgestickten Monogramme so betrachte, muss ich oft an die zarten Hände der jungen Frauen denken, die früher sicherlich viel Zeit und Mühe dafür investierten.

Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal, ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht.
Christian Morgenstern
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